„Feier des 1. Seder im Löwenstein“

19. April 2019 um 18 Uhr

Auch im Jahr 2019 fallen die jüdischen Pessach-Tage und das christliche Osterfest fast auf die gleichen Tage. Auf Einladung der Jüdischen Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen e.V. wollen wir am (Kar)feitagabend ab 18 Uhr gemeinsam den ersten Sederabend feiern. Dazu sollten alle Teilnehmer/Innen ein bequemes Kissen zum Anlehnen mitbringen. Damit wollen wir zeigen, dass wir mit dem Auszug aus Ägypten keine Sklaven mehr sind; männliche Teilnehmer bringen bitte außerdem eine Kopfbedeckung mit.

Es gibt wieder ein Vier-Gänge-Menü mit Wein (oder Traubensaft für die Kinder oder auf Wunsch) sowie Spiele und Lieder. Das Programm kannmuss aber nicht – bis etwa 22 Uhr dauern.

Wie immer wird für Speisen und Getränke ein Kostenbeitrag für jede/n Teilnehmer/In erhoben:
Mitglieder von Kultusgemeinde und Lehrhaus sowie deren Partner: 15 Euro,
Freunde beider Vereine: 25 Euro,
Kinder unter 13 Jahren: frei.
Für soziale Härtefälle ist eine abweichende Regelung möglich.

Unser Rabbiner Konstantin Pal kommt am (Oster)sonnabend zu uns. Er bietet ab 19 Uhr zum zweiten Sederabend einen „Lern-Seder“, zu dem wie am 1. Seder-Abend wieder das Vier-Gänge-Menü gereicht wird.

Verbindliche Anmeldung zu beiden Veranstaltungen wegen der erforderlichen Vorbereitungen mit Personenzahl bis 17.4.18, 12 Uhr per Mail an jkggoe@gmail.com oder Telefon (0551) 99 72 85 58 (während der Öffnungszeiten des Löwenstein)

Dabei sein ist alles! Mitmachen ist wie immer sehr wertvoll!
Informationen zu Pessach:

Das jüdische „Fest der ungesäuerten Brote“

Pessach ist eines der wichtigsten jüdischen Feste und gehört neben dem Wochenfest „Schawuot“ und dem Laubhüttenfest „Sukkot“ zu den drei jüdischen Wallfahrtsfesten. Dieses Fest, das von einer Reihe streng festgelegter Rituale geprägt ist, erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, an seine Befreiung aus der Sklaverei und an seinen Bund mit Gott auf dem Sinai. Pessach beginnt am 15. Nisan, einem Frühlingsmonat im jüdischen Kalender, und dauert in Israel sieben Tage, während die Juden in der Diaspora acht Tage feiern.

Mazzen als Symbol für die Hast vor dem Auszug

Charakteristisch für Pesach ist das Verbot, gesäuerte Lebensmittel („Chamez“) zu essen oder auch nur im Haus zu haben. Schon die Torah gebietet den Israeliten, das „Fest der ungesäuerten Brote“ (Exodus 12,17) zu feiern. Als gesäuert gelten alle Speisen und Getränke, die aus einer der fünf Getreidearten (Weizen, Hafer, Roggen, Gerste, Dinkel) hergestellt wurden. Ebenso gelten die Körner und Mehle als „gesäuert“, wenn sie in irgendeiner Form einen Gärungsprozess durchgemacht haben, und sei es, dass sie nur mit Wasser in Berührung gekommen sind.

Während der sieben oder acht Tage des Pessachfests sind nur Mazzen (Hebräisch: „Mazzot“; ungesäuerte Brote) erlaubt. Das sind dünne Fladenbrote, deren gesamter Herstellungsprozess nicht länger als 18 Minuten dauern darf, und die keine Backtriebmittel wie Germ oder Backpulver enthalten dürfen. Diese Brote sollen die Gläubigen an die Hast vor dem Auszug aus Ägypten erinnern, die ihnen auch keine Zeit ließ, den Brotteig noch gehen zu lassen.

Gründliche Reinigung als Festvorbereitung

Bereits in der Zeit vor Pessach muss das gesamte Haus gründlich gereinigt und von allen Lebensmitteln, die nicht „koscher für Pessach“ sind, befreit werden. Sogar die Taschen der Kleidung müssen auf Krümel überprüft werden. Viele Familien besitzen ein eigenes Geschirr, dass nur zu Pesach verwendet wird. Wer ein solches Geschirr nicht hat, muss Speise- und Kochgeschirr durch Wassern und Auskochen rituell reinigen.

Seder-Abend als Höhepunkt des Fests

Das eigentlich Fest beginnt am Vorabend des 15. Nissan mit einem Gottesdienst in der Synagoge, auf den der Seder-Abend folgt. Das hebräische Wort „Seder“ bedeutet Ordnung und ist insofern sehr zutreffend, als der Ablauf des Seder-Abends genau festgelegt ist. Zu jeder Seder-Tafel gehören drei Mazzen und sechs Speisen mit symbolischer Bedeutung, die auf dem Seder-Teller liegen.

Ein Knochen mit einem Rest gebratenen Fleisches darauf erinnert an das spezielle Pessach-Opfer. Ein hartgekochtes Ei symbolisiert das Wallfahrtsopfer. „Chaseret“ (Kren) und bittere Kräuter („Maror“: Salat wie Lattich oder Chicoree, aber auch oft Kren) symbolisieren die Bitterkeit der Sklaverei in Ägypten. „Charosset“, ein bräunliches Mus aus geriebenen Äpfeln, Nüssen und Wein, steht für die Lehmziegeln, die die Israeliten für den Pharao herstellen mussten. Erdfrüchte (Sellerie, Radieschen oder Petersilie) werden in Salzwasser getaucht, das an die Tränen der Israeliten in der Sklaverei erinnern sollen. Ein Becher Wein steht für den Propheten Elia bereit. Damit wird die Hoffnung ausgedrückt, der Prophet möge zum Fest erscheinen und das Kommen des Messias ankündigen.

Warum ist diese Nacht anders?

Bevor das eigentliche Festmahl beginnt, werden die symbolischen Speisen in einer fixierten Reihenfolge gegessen und vier Becher Wein getrunken. Dabei wird die „Haggada“ (Erzählung) von Pessach vorgelesen, in der die Sklaverei der Israeliten und ihre Befreiung nacherzählt sind. Kinder werden in das abendfüllende Seder-Programm einbezogen: Dem Jüngsten gebührt die Frage, die die Erzählungen eröffnet, „Warum ist diese Nacht anders als andere Nächte?“. Es ist auch Brauch, ein Stück Mazze zu verstecken, das die Kinder finden müssen. Gelingt es, bekommen sie eine kleine Belohnung.

Das Wort Pessach leitet sich vom hebräischen Verb „Pasach“ (übergehen, auslassen) ab. Das bezieht sich darauf, dass Gott die Israeliten vor der zehnten ägyptischen Plage, dem Tod der Erstgeborenen, verschonte. Gott hatte die Israeliten angewiesen, ein einjähriges Lamm zu schlachten und ihre Türstöcke mit seinem Blut einzustreichen. „Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll ein Zeichen zu eurem Schutz sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich in Ägypten dreinschlage“ heißt es in Exodus 12,13. Noch in derselben Nacht sind die Israeliten aus Ägypten ausgezogen. Durch die Pessach-Rituale sollen die Gläubigen die Ereignisse von damals möglichst lebensecht nachempfinden können.

Über Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen

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