Jüdische Feste im Mai 2011

Omer Tage (Limudim Dalet)

Jetzt folgt bis Schawuoth die Omer-Zeit, eine Zeit der Trauer mit einem Festtag dazwischen. Dazu aus der wöchentlichen Parascha 5770 (Paraschat Emor) zwei Texte, die die Bedeutung dieser sieben Wochen aufzeigen:

(1) Zwischen Pessach und Schawuot liegen 49 Tage. An Schawuot erinnern wir uns an die Gabe der Thora am Har Sinai. Die Zeit bis zu diesem Fest ist als „Omer Zählen“ bekannt, so genannt nach dem „Omer Opfer“, das vom jüdischen Volk am zweiten Tag des Pessachfestes dargebracht wurde. Für dieses Opfer wurde ein Omer Gerste geerntet (ein Omer ist ein Maß, das ungefähr so schwer ist wie 43 Eier) und den Kohanim im Tempel gebracht. Von da an durfte man von der neuen Ernte des Jahres essen. Und von da an zählte man auch 50 Tage bis zum Fest der Weizenernte, Schawuot.
Die Tage des Omer Zählens bekamen eine andere Bedeutung in der Zeit von Rabbi Akiwa, kurz nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jeruschalaim. Eine schreckliche Seuche wütete, und 24 000 Schüler von Rabbi Akiwa wurden dahingerafft. Der Talmud erklärt, die Seuche sei wegen einer Sünde ausgebrochen, denn die Schüler hatten einander nicht den gebührenden Respekt erwiesen. Um an diese Tragödie zu erinnern, bestimmten die Weisen, die Omer-Tage seien eine Trauerzeit, in der keine fröhlichen Feste gefeiert werden sollen. Eine Ausnahme ist der 33. Tag im Omer, nämlich Lag BaOmer, denn an diesem Tag endete das Sterben der Schüler. An diesem Tag finden heute viele Hochzeiten statt.
So sind die Tage des Omer Zählens eine Zeit, in der wir unser Verhalten und das unserer Gemeinden verbessern sollen. In Erinnerung an die 24 000 Schüler Rabbi Akiwas halten wir zusammen und zollen einander Respekt. Wir bereiten uns geistig auf das Schawuotfest vor, das wir in Erinnerung an die Gabe der Thora feiern.        (Rabbiner Mordechai Elon)

(2) Hallo! Ich heiße Mia Klein. Hier in Israel, wo ich lebe, ist Lag BaOmer ein besonderer Feiertag. Gleich nach Pessach fangen wir Kinder an, Holz für die Lagerfeuer an Lag BaOmer zu sammeln.
Oft tun sich mehrere Kinder zusammen und sammeln gemeinsam Holz für das Feuer. Einen Monat lang rattern wir mit einem Einkaufswagen durch die Straßen und suchen die Umgebung nach Holz ab. (An Lag BaOmer, wenn die Lagerfeuer angezündet werden, sind natürlich Erwachsene dabei, damit nichts passiert.) Viele Familien entzünden ihre eigenen Lagerfeuer. Bei uns gibt es immer Hähnchen vom Grill, Kartoffeln und – na klar, Marshmallows.
Solche Lagerfeuer werden von den Kindern fast als Wettbewerb aufgefasst. Jeder will das größte in der Nachbarschaft haben.
Das bringt mich zu meiner Geschichte. Es geschah letztes Jahr an Lag BaOmer. Alle waren draußen und damit beschäftigt, die Lagerfeuer vorzubereiten. Einige Kinder schleppten Holz aus einem Versteck, das sie extra für Lag BaOmer angelegt hatten. Denn Holz ist Mangelware und wird eifersüchtig gehütet. Andere warteten ungeduldig auf ihre Eltern, um das Feuer endlich anzünden zu können.
Meine Schwester und ich standen bei unserem Holzstapel, als unser Freund David herbeigelaufen kam. Er erzählte, dass einige Kinder gerade versuchten, ihr eigenes Feuer zu machen, aber Probleme dabei hätten. Es stellte sich heraus, dass diese Kinder behindert waren und in eine Sonderschule gingen.
Wir hatten uns bis dahin nicht sonderlich um diese Kinder gekümmert. Aber jetzt brauchten sie unsere Hilfe. Sofort beschlossen wir, die Kinder einzuladen, an unserem Lagerfeuer teilzunehmen.
Und es wurde ein wunderbares Lag BaOmer. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen, und wir sahen, dass diese Kinder sehr glücklich waren. Ich glaube, das war mein schönstes Lag BaOmer.

Auch wir gehen in die Natur, aus organisatorischen Gründen aber nur in den Garten der Kultus­gemeinde in der Roten Straße. Dort feiern wir am 22. Mai ab 16 Uhr, grillen und sind glücklich. Um planen zu können (Zahl der Grills, Menge der Kohle), bitten wir um Mitteilung, wer mit wie vielen Personen kommt und was er oder sie mitbringen (Salate, Brot, Dessert ohne Milchprodukte, usw.).

Jom-ha-Sho‘a

Aber vorher, nämlich am kommenden Montag (2. Mai), erinnern sich alle Juden auf der Welt an die Folterungen und Massaker, die während der Shoah von den Nazis ausgehend in Deutschland, vielen Ländern Europas und sogar in Ländern außerhalb des alten Kontinents begangen wurden. Wir werden deshalb ab 19 Uhr eine Erinnerungsstunde am Mahnmal (Platz der ehemaligen Synagoge) halten. Zuerst werden einige Texte verlesen, die in den Konzentrationslagern geschrieben wurden, dann solche von Überlebenden. Zum Abschluss folgt ein kurzer zeremonieller Teil.

Jom ha-Sikaron und Jom ha-Azma‘ut

Zwei weitere Gedenktage stehen in diesem Jahr außerdem im Mai an: Zuerst Jom ha-Sikaron zur Erinnerung an die Gefallenen des Zahal (israelisches Militär) am 9. Mai und tags darauf Jom ha-Azma’ut, der Unabhängigkeitstag Israels.
Dazu heißt es bei Wikipedia: „Da das britische Mandat für Palästina am 14. Mai 1948, einem Freitag, um Mitternacht enden sollte, versammelte sich der Jüdische Nationalrat im Stadtmuseum von Tel Aviv um 16 Uhr noch vor Sonnenuntergang und damit vor Beginn des Sabbat. Unter einem Porträt des Begründers der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, verkündete David Ben Gurion in der Unabhängigkeitserklärung „kraft des natürlichen und historischen Rechts des jüdischen Volkes und aufgrund des Beschlusses der UNO-Vollversammlung“ die Errichtung des Staates Israel. Elf Minuten später erkannten die Vereinigten Staaten von Amerika durch US-Präsident Harry S. Truman den neuen Staat an, die Sowjetunion folgte am 16. Mai. Der Jahrestag der Staatsgründung, Jom ha-Azma’ut, wird nach jüdischem Kalender am 5. Ijar gefeiert.“

Traurige Tage (Jom ha-Sho’a, Jom ha-Sikaron) sind immer auch eng verbunden mit fröhlichen Ereignissen (Jom ha-Azma’ut, Lag BaOmer) – wie im normalen Leben. Wir wollen in diesem Jahr die beiden Gedenk- und Feiertage gemeinsam begehen. Dazu treffen wir uns am Montag, 9. Mai, ab 18 Uhr in der Kultusgemeinde. Erst gedenken wir der Zahal-Gefallenen, dann feiern wir ab 19 Uhr den Israel-Tag. Wir bitten um pünktliches Erscheinen.

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Über Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen

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