Lange Nacht der Erinnerung: „Von ,Jude Bauer‘ zum Nazijäger“

9. November 2015 um 19.30 Uhr im Löwenstein nach der Gedenkstunde am Mahnmal

Traditionsgemäß widmet sich der „Lernnachmittag“ am 9. November der Reichspogromnacht des Jahres 1938. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr ein Vortrag zum Wirken Fritz Bauers. Der Referent Werner Renz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt am Main sowie Leiter des Archivs und der Bibliothek.

Fritz Bauer war von 1956 bis zu seinem Tod 1968 auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten und Justizministers des Landes Hessen, Georg August Zinn (SPD), Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main. Bauer ist es zu verdanken, dass gegen alle Widerstände und nach jahrelanger mühsamer Ermittlungsarbeit am 20. Dezember 1963 der erste „Auschwitz-Prozess“ vor einem deutschen Gericht in Frankfurt am Main eröffnet wurde. Dabei ging es Bauer in erster Linie nicht um die Bestrafung der Nazi-Verbrecher, sondern er verstand den ganzen Prozess als „große pädagogische Aktion für ein neues Deutschland“, so der Regisseur Giulio Ricciarelli in einem Interview über seinen Film „Im Labyrinth des Schweigens“. Indem Fritz Bauer die Nachkriegsgesellschaft gezwungen hat, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, ist er zu einer der zentralen Persönlichkeiten der Entwicklung einer demokratischen Rechtsordnung in der Bundesrepublik Deutschland geworden.

Besondere Aktualität erfährt diese Lehrhaus-Veranstaltung durch den Anfang Oktober in die Kinos gekommenen ARD-Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“, der nicht nur den ersten Auschwitz-Prozess thematisiert, sondern besonders die Widerstände nicht zuletzt der Adenauer-Regierung sowie die Enttarnung von Adolf Eichmann, dem Verantwortlichen für die „Endlösung der Judenfrage“.

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Aktivitäten September 2015

  • Sonntag, 13. September – 15.00 Uhr: Gebet für die Verstorbenen mit François Lilienfeld auf unserem Friedhof an der Kasseler Landstraße
    19.30 Uhr: Erew Rosh HaSchana in der Gemeinde mit François Lilienfeld
  • Montag, 14. September – 10.00 Uhr: Rosh HaSchana-G’ttesdienst mit François Lilienfeld
  • Mittwoch, 16. September Fasten Gedalja
  • Sonntag, 20.September – 16.00 Uhr: Lernnachmittag des Jüdischen Lehrhauses mit Kantor François Lilienfeld: „Zu den Hohen Feiertagen – das Kol Nidrej“
  • Nach Vereinbarung: 16.00 Uhr: Rikudei Am (Israelische Tänze) mit Roxana Álvarez Tichauer (19. oder 26.9.; bitte telefonisch klären)
  • Dienstag, 22. September – 19.30 Uhr: Erew Jom Kippur – Kol Nidrej mit François Lilienfeld
  • Mittwoch, 23. September – 10.00 Uhr: Jom Kippur mit François Lilienfeld
    13.00 Uhr: Pause
    18.15 Uhr: Lektüre Buch Jona
     18.45 Uhr: Seelenfeier – Jiskor (Erinnerung an unsere Verstorbenen)
    19.15 Uhr: Neilá – Schlussgebet
    20.20 Uhr: Anbeißen nach dem Fastentag
  • Freitag, 25. September – 16.00 Uhr: Bau der Sukka im Garten der Gemeinde (kommt und helft)
  • Sonntag, 27. September – 16.00 Uhr: Erew Sukkot in der Sukka mit Grillen vor der Sukka
  • 28. September bis 5. Oktober: Treffen in der Sukka: Kommt mit Euren jüdischen Freunden und spielt bei einer Tasse Kaffee oder Tee bei schönen Gesprächen Schach oder Karten; wir können auch singen oder etwas Schönes basteln
  • Montag, 5. Oktober – 18.00 Uhr: Schmini Azereth – Jiskor (Erinnerung an unsere Verstorbenen)
  • Dienstag, 6. Oktober: Simchat Thora (Termin-Hinweis)
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Aktivitäten Juli und August 2015

Juli

  • Freitag,  10. Juli    18.30 Uhr: Kabbalat Schabbat mit Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl
  • Sonnabend, 11. Juli    10.30 Uhr:  G’ttesdienst Schabbat Pinchas mit Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl
  • Sonnabend, 18. Juli    16.00 Uhr: Rikudei Am (Israelische Tänze) mit Roxana Álvarez Tichauer
  • Sonntag,  19. Juli   6.50 Uhr: Fahrt nach Hannover (Treffen am Info-Punkt in der Bahnhofsvorhalle) mit dem Metronom
    Programm:  9.00 Uhr: Der Jazán der Jüdischen Gemeinde Hannover führt uns durch die Synagoge (Männer an Kopfbedeckung denken) –                                             11.00 Uhr:     Besichtigung der bucharisch-sephardischen Gemeinde sowie Teilnahme am Sport- und Tanzfest mit Mittags-Büfett

Schulferien in Niedersachsen vom 23. Juli bis 2. September

  • Sonntag,  26. Juli   Fasten 9. Aw (wegen Schabbat verschoben)

August

  • Freitag,   7. August   19.00 Uhr: Kabbalat Schabbat (geänderte Anfangszeit!)
  • Sonnabend, 29. August  10.00 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Schoftim (geänderte Anfangszeit!)
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Aktivitäten im Juni 2015

  • Freitag, 5. Juni – 18.30 Uhr: Kabbalat Schabbat mit Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl
  • Sonnabend, 6. Juni – 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Beha‘alotcha mit Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl
  • Dienstag, 16. Juni – 18.30 Uhr: Bar Mitzwa Jüdisches Lehrhaus Göttingen e.V. Eröffnung Jüdische Kulturtage Göttingen 2015 mit Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl. Die Mitzwot – Lebensregeln eines Juden: 248 Gebote und 365 Verbote
  • Donnerstag, 18. Juni – 16.00 Uhr: Führung durch Synagoge und Mikwe, Geschichte des Hauses Rote Straße 28 – auch um 18 und 20 Uhr
  • Freitag, 19. Juni – 20.00 Uhr: Hinter dem Schleier – Eine Lesung zur Geschichte von Tamar (aus der Genesis) mit musikalischen Einlagen. Eine poetische Umsetzung zum Thema „Starke Frauen in der Bibel“, vorgelesen von der Autorin Andrea Stenzel, dazu Werke von G. Jacob, P. Lacome, Johann David Heinichen sowie Klezmer-Weisen; anschließend Kiddusch
  • Sonnabend, 20. Juni – 10.30 Uhr: Offener G’ttesdienst Schabbat Korach mit Kantor François Lilienfeld (Bitte anmelden, siehe Programm der Kulturtage)
    16.00 Uhr: Rikudei Am (Israelische Tänze) mit Roxana Álvarez Tichauer (bei Arbeit und Leben)
  • Sonntag, 21. Juni – 18.00 Uhr: Synagogale Musik aus der Romantik: Kommentiertes Konzert mit Kantor François Lilienfeld in der Albani-Kirche
  • Sonntag, 28. Juni – 14.00 Uhr: Fortsetzung der Jahreshauptversammlung für 2013
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„13 Jahre Jüdisches Lehrhaus – Jüdische Kulturtage 2015“

Vom 16. bis 21. Juni 2015 mehrere Veranstaltungen im Bistro Löwenstein sowie in der Synagoge, beide Rote Straße 28, und in der Albani-Kirche
Am 16. Juni 2002 wurde die Gründung des Vereins Jüdisches Lehrhaus Göttingen e.V. in Anwesenheit des Schirmherrn Sigmar Gabriel, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, im Alten Rathaus gefeiert. Aus diesem Anlass veranstaltet das Lehrhaus gemeinsam mit der Jüdischen Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen e.V. Jüdische Kulturtage in Göttingen.

Dienstag, 16. Juni 2015 – 18.30 Uhr, Löwenstein, Rote Straße 28
13 Jahre Jüdisches Lehrhaus Göttingen e.V. Die Mitzwot – Lebensregeln eines Juden: 248 Gebote und 365 Verbote. Die Thora hat uns 613 Ge- und Verbote gegeben. Die Gebote sind „die Wirbelsäule“ des Judentums. Was wollen sie uns sagen,wie funktionieren sie… Sind alle ein „Muss“? Das erfahren wir bei der Bar Mitzwa des Lehrhauses von Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl

Donnerstag, 18. Juni 2015 – 16 / 18 / 20 Uhr, Rote Straße 28
Geschichte des Hauses mit Führung durch Synagoge und Mikwe

Freitag, 19. Juni 2015 – 20 Uhr, Löwenstein, Rote Straße 28
Hinter dem Schleier – Eine Lesung zur Geschichte von Tamar (aus der Genesis) mit musikalischen Einlagen. Eine poetische Umsetzung zum Thema „Starke Frauen in der Bibel“, vorgelesen von der Autorin Andrea Stenzel; dazu Werke von G. Jacob, P. Lacome, Johann David Heinichen sowie Klezmer-Weisen. Interpreten: Judith Gerdes (Oboe), Ditmar Wiederhold (Fagott) und Kantor François Lilienfeld (Klavier); anschließend Kiddusch

Sonnabend, 20. Juni 2015 – 10.30 Uhr, Synagoge Rote Straße 28
Offener G‘ttesdienst Schabbat Korach (Aus Platzgründen bitte telefonisch
/ 0551 – 99 72 85 58 /oder per Email / jkggoe@gmail.com / bis 19.6. anmelden)

Sonnabend, 20. Juni 2015 – 16 Uhr, Arbeit und Leben, Lange Geismarstraße 72
Rikudei Am (Israelische Tänze): Kinder, Frauen und Männer sind willkommen; Leitung: Roxana Alvarez Tichauer

Sonntag, 21. Juni 2015 – 18 Uhr, Albani-Kirche
Synagogale Musik aus der Romantik. Mitwirkende: Ökumenischer Chor St. Petri Grone (Leitung Elke Hahn), Kirchenchor Elliehausen (Leitung Ditmar Wieder­hold), Marco Wiegelmann (Tenor), Instrumentalisten; Leitung und Einführung: Kantor François Lilienfeld

Alle Veranstaltungen: Eintritt frei, es wird aber eine Spende für die Künstler erbeten

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Aktivitäten Mai 2015

  • Freitag, 1. Mai – 9.30 Uhr: Tag der Arbeit; Programm am Alten Rathaus
    18.30 Uhr: Kabbalat Schabbat mit Rabbiner Salomon Almekias-Siegl
  • Sonnabend, 2. Mai – 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Achare-Mot, Kedoschim mit Rabbiner Salomon Almekias-Siegl
  • Montag, 4. Mai – 18.00 Uhr: Moses als Religionsstifter – Vortrag von Eva Tichauer Moritz im Raum 0124 im Lern- und Studiengebäude, Platz der Göttinger Sieben
  • Freitag, 8. Mai – 16.00 Uhr: Lag BaOmer – Grillen im Garten mit Kabbalat Schabbat
  • Sonnabend, 9. Mai – 16.00 Uhr: Rikudei Am (Isr. Tänze) mit Roxana Álvarez Tichauer
    18.00 Uhr: Erinnerung an die Befreiung Deutschlands von der national­sozialistischen Gewaltherrschaft durch die Rote Armee
  • Sonntag, 10. Mai – 19.00 Uhr: Wölfe mitten im Mai – Liederabend gegen den Rechtsruck in Europa mit Kai Degenhardt
  • Sonntag, 17. Mai – 14.00 Uhr: Jom Jeruschajalim: Liedersingen mit Eva Tichauer Moritz
    16.00 Uhr: Lernnachmittag des Jüdischen Lehrhauses mit Eva Tichauer Moritz: „Befreiung 1945? – Berichte überlebender KZ-Häftlinge“
  • Sonnabend, 23. Mai – 18.00 Uhr: Erew Schawuoth mit Rabbiner Salomon Almekias-Siegl
  • Sonntag, 24. Mai – 10.30 Uhr: Schawuoth mit Rabbiner Salomon Almekias-Siegl
  • Montag,  25. Mai – 11.00 Uhr: Lernen mit dem Rabbiner (auch für Jugendliche)
    Der 24. und 25. Mai sind arbeitsfreie Feiertage (Pfingsten)

 

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Aktivitäten März und April 2015

März

  • Donnerstag, 5. März – 17.00 Uhr: Purim mit Rabbiner Salomon Almekias-Siegl
  • Sonnabend, 7. März – 16.00 Uhr: Rikudei Am (Israelische Tänze) mit Roxana Álvarez Tichauer (Arbeit und Leben)
  • Freitag, 13. März – 18.30 Uhr: Kabbalat Schabbat
  • Sonnabend, 14. März  – 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Wajakel-Pekude
  • Sonntag, 22. März – 16.00 Uhr: Lernnachmittag des Jüdischen Lehrhauses mit mit Rabbiner Salomon Almekias-Siegl: „Jesaia – Lieder vom G’ttesknecht“
  • Sonnabend, 28. März – 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Ha‘gadol Der große Schabbat, mit Eva Tichauer Moritz

April

  • Freitag, 3. April – 18.00 Uhr: Pessach: 1. Seder in der Gemeinde mit den Mitgliedern des Jüdischen Lehrhauses Göttingen, mit Rabbiner Almekias-Siegl
  • Sonnabend, 11. April – 10.30 Uhr: 8. Tag Pessach mit Jiskor
  • Donnerstag, 16. April – 18.00 Uhr: Jom ha-Scho‘a am Mahnmal (Platz der ehem. Synagoge) mit Jiskor
  • Donnerstag, 23. April – 18.30 Uhr: Jom ha-Sikaron Erinnerung an die Zahal-Gefallenen
    19.00 Uhr: Jom ha-Azma’ut Unabhängigkeitstag Israels
  • Sonntag,  26. April – 7.15 Uhr (vorläufiger Plan): Fahrt nach Bergen-Belsen anlässlich des  70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Gemeinsame Gedenkveranstaltung aller Gemeinden des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen
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Einmal Opfer – immer Opfer

Erwiderung der 1. Vorsitzenden von Jüdischer Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen e.V. sowie Jüdisches Lehrhaus Göttingen e.V., Eva Tichauer Moritz, zu: Stolpersteine erinnern an NS-Opfer, GT vom 22.1.2015 und Leserbrief „Treten und Stolpern“, GT vom 27.1.2015:

Ich hoffte mehrfach – leider vergebens – mich selbst und auch im Namen der Jüdischen Kultusgemeinde nicht mehr zum leidigen Thema „Stolpersteine“ äußern zu müssen. Ich erinnere an frühere Aussagen:
Vor über zwölf Jahren hieß es von der Stadt(verwaltung), „…auf keinen Fall wollen wir die Stolpersteine hier in Göttingen…“. Heute dagegen verlautet aus dem Neuen Rathaus, „…es ist ein großer Moment“, ein „großartiges Projekt“. Welche Überlegungen, Argumente oder Gründe die Verantwortlichen seinerzeit und heute zu ihren gegensätzlichen Aussagen bewogen, wir wissen es nicht. Ehrlich gesagt, es interessiert uns auch nicht. Für uns ist es wichtig, wie wir als jüdische Menschen mit unserem Wissen und Gewissen vor diesen unsäglichen Platten im Straßenpflaster leben können/müssen.
Vor über zwölf Jahren hatten wir den „Künstler“ Gunter Demnig nach Göttingen eingeladen. Er kam mit seiner Frau in die damalige ESG in der von-Bar-Straße und hat dort versucht, die Beweggründe und Motive seiner „Kunst“ zu erklären und anhand von Dias zu zeigen: Zunächst wollte er Städte verbinden. Dazu stellte er ein Fass mit weißer Farbe auf ein Fahrrad, fuhr von einem Ort zum nächsten und „hinterließ“ eine weiße Linie. Als das „weiß“ zu langweilig wurde, habe er die Farbe mit Schweineblut gemischt und sei wieder von Stadt zu Stadt geradelt. Was diese „Kunst“ für Muslime bedeutet, kann sich jeder vorstellen.
Dann kam ihm die Idee mit „diesen Dingern“ (sein Wortlaut): Gemeint waren die sogenannten Stolpersteine. Als wir dagegen protestierten, weil die Steine im Straßenbelag verlegt werden sollten, fuhr seine Frau empört dazwischen und rief: „Ihr Juden habt hierzu nichts zu sagen!“ Aus Respekt vor mir selbst möchte ich das nicht kommentieren.

Im Jahr 2013 – das Thema kam erneut auf die Tagesordnung – trafen sich Frau Jürgenliemk von der Jüdischen Gemeinde Göttingen, Frau Schneider-Feller von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und ich für Jüdische Kultusgemeinde sowie Jüdisches Lehrhaus Göttingen zu einer Diskussionsrunde. Ergebnis waren drei mögliche Formen der Erinnerung an frühere jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Zum einen sollten Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II eingeladen werden, eigene Ideen zu konzipieren und sich einem Wettbewerb zu stellen. Eine zweite Möglichkeit sollte das Aufstellen von Stelen sein, auf denen in Augenhöhe Informationen über die in den jeweiligen Straßen ehemals wohnenden oder in ihren Geschäften arbeitenden und dann verschleppten/deportierten/ermordeten/in den Suizid getriebenen Juden angebracht würden. Drittens regte die Historikerin Dr. Cordula Tollmien – jetzt mit ihrem Werk über die Familie Hahn aktuell in der Berichterstattung – an, Tafeln mit den Namen, den Geschäftsbezeichnungen und Adressen der ehemaligen jüdischen Bewohner am Anfang und Ende der Straßen anzubringen, damit Interessierte diese Orte suchen und besuchen können.
Gleichzeitig wurde vereinbart, der Verlegung von Stolpersteinen im Einzelfall nicht zu widersprechen, wenn Nachkommen unbedingt auf der Verlegung eines Steins bestehen würden.

„Göttingen, die Stadt, die Wissen schafft“, hat sich im Kulturausschuss von der Kulturdezernentin Dr. Schlapeit-Beck informieren lassen, die drei Ideen wurden kurz genannt, aber im weiteren Verlauf nicht mehr erwähnt, stattdessen wurde nur über die Stolpersteine gesprochen. Auch die beiden Gesprächspartnerinnen der „Ideenrunde“ schwiegen; deshalb gab ich mich geschlagen und habe mit einem weiteren Mitglied von Kultusgemeinde und Lehrhaus diese „Show-Veran­staltung“ verlassen. Auf keinen Fall sollte unsere Abwesenheit als Zustimmung missbraucht werden.

Ich kann in diesem Zusammenhang nur der Stadt Braunschweig danken, die nicht akzeptiert hat, dass der Name „Tichauer“ (mein Onkel, der letzte Kantor der Stadt vor der Shoa und von zwei Frauen aus der Familie) auf der Straße liegt und mit Füßen getreten wird.

Jetzt heißt es in Göttingen, ein Kompromiss sei gefunden worden. Was heißt hier Kompromiss, wenn über die anderen drei Ideen nicht einmal gesprochen wurde? „So ein Ding“ (wörtliches Zitat von Gunter Demnig anlässlich seiner Präsentation vor über zwölf Jahren) soll nun verlegt werden, wenn Nachfahren und Angehörige einverstanden sind. Gleichzeitig hoffen die Initiatoren, dass es „im Verlauf des Projektes ein Umdenken geben“ wird. Mir wird richtig schlecht, wenn ich daran denke, dass jedes Opfer der Shoa eines dieser „Dinger“ bekommt. Stattdessen soll erneut über unsere Absprache einfach hinweg gegangen werden: Gut(e)Menschen entscheiden über uns Juden, letztlich sollen die Familien der Toten keine Chance mehr haben, sich gegen diese Entwürdigung zu wehren – ein schönes „Umdenken“.

Nicht nur ich frage mich, warum die InitiatorInnen der jetzt beschlossenen Aktion keine Ruhe geben, immer wieder darauf dringen, uns Juden bevormunden zu wollen und sich die Zustimmung willfähriger oder abhängiger Angehöriger unserer Glaubensgemeinschaft besorgen. Warum werden beispielsweise nicht einmal die Argumente der früheren Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch überhaupt in Betracht gezogen, die für München und Oberbayern einen Verzicht auf Stolpersteine allseits anerkannt durchgesetzt hat. Sind die bayerischen Politiker in Land und Kommunen, die Pastoren und Pfarrer in den christlichen Gemeinden und die Bürgerinnen und Bürger vielleicht etwas klüger als die Verantwortlichen der Universitätsstadt Göttingen?

Uns bleibt nur, Frau Notholt für ihren klaren Kommentar im Leserbrief vom 27. Januar zu danken. Und an die Stadt Göttingen appellieren wir: Lassen Sie unsere Toten endlich ruhen. Wir tragen sie jeden Tag in unseren Herzen und geben sie von Generation zu Generation – ledor va dor – weiter. Dafür brauchen wir Ihre Füße nicht.

Kümmern Sie sich lieber um die lebenden Juden in dieser Stadt. Schaffen Sie für die Älteren unter diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Möglichkeiten der Integration durch die Schaffung bezahlbarer kultureller Veranstaltungen. Sie werden es sehr danken. Um alle anderen Formen der Integration kümmern wir uns.

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2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Ein New York City U-Bahnzug fasst 1.200 Menschen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 6.000 mal besucht. Um die gleiche Anzahl von Personen mit einem New York City U-Bahnzug zu befördern wären etwa 5 Fahrten nötig.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Aktivitäten von Dezember 2014 bis März 2015

Dezember 2014

  • Freitag, 12. Dezember 18.30 Uhr:  Kabbalat Schabbat mit Shani Tzóref / Eva Tichauer Moritz
  • Sonnabend,  13. Dezember  10.30 Uhr:  G’ttesdienst Schabbat Wajeschew mit Shani Tzóref / Eva Tichauer Moritz
  • Dienstag,  16. Dezember 19.00 Uhr: Erew Chanukka und Zünden des 1. Lichts
  • Sonntag, 21. Dezember 18.15 Uhr: Chanukka 6. Licht; Erew Rosh Chodesch und Feier mit dem Jüdischen Lehrhaus

Januar 2015

  • Freitag, 2. Januar  18.30 Uhr: Kabbalat Schabbat mit Eva Tichauer Moritz
  • Sonntag, 4. Januar  14.00 Uhr: Jahreshauptversammlung der Kultusgemeinde
  • Montag,  5. Januar  18.30 Uhr: Jahreshauptversammlung des Jüdischen Lehrhauses
  • Freitag, 16. Januar 18.30 Uhr:  Kabbalat Schabbat mit Eva Tichauer Moritz
  • Sonnabend, 17. Januar 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Wa’era mit Rabbiner Jona Simon
  • Sonntag, 18. Januar 16.00 Uhr: Lernnachmittag des Jüdischen Lehrhauses mit Hinrich Lange: „Tagebuch der Grete Paquin“; Ereignisse 1933 an der Uni Göttingen / Bündnis 27. Januar
  • Sonnabend, 31. Januar 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Beschalach mit Landesrabbiner Jonah Sievers

Februar

  • Mittwoch, 4. Februar 18.00 Uhr: Tu Bischwat = Neujahr der Bäume: Bei gutem Wetter wollen wir Primeln im Garten der Gemeinde auspflanzen, bei Schnee / Eis bleiben sie in Töpfen auf den Bistro-Tischen
  • Sonntag, 15. Februar 16.00 Uhr: Lernnachmittag des Jüdischen Lehrhauses: Angefragt ist ein Puppentheater

März

  • Mittwoch, 4. März  Fasten Esther (ganztägig);
    18.30 Uhr: Erew Purim mit N.N.
  • Freitag,  13. März 18.30 Uhr: Kabbalat Schabbat mit Landesrabbiner Jonah Sievers
  • Sonnabend, 14. März 10.30 Uhr: G’ttesdienst Schabbat Wajakel-Pekude mit Landesrabbiner Jonah Sievers
  • Sonntag, 22. März 16.00 Uhr: Lernnachmittag des Jüdischen Lehrhauses: „Jesaia: Lieder vom G‘ttesknecht“

Weitere Veranstaltungen der Gemeinde nach Ansage und telefonischem Rundruf

Termine für Rikudei Am (Israelische Tänze) mit Roxana Álvarez Tichauer nach Verabredung

 

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